Nutzertests vs. Usability-Tests
Ewa Rutczyńska-Jamróz
15. Apr. 2022・9 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
Weitere Unterschiede zwischen User Testing und Usability-Testing
Nr. 1: Zweck und Ergebnis
Nr. 2: Testgruppe
Nr. 3: Testmethoden
User Testing und Usability-Testing: Welche Vorteile gibt es?
User Tests
Usability-Testing und User Experience
User Testing vs. Usability-Testing: Und die Nachteile?
User Testing und Usability-Testing sind nicht dasselbe. Beide spielen eine wichtige Rolle im Produktentwicklungsprozess, dennoch gibt es zwischen beiden Konzepten viele Unterschiede.
In diesem Blogbeitrag erfahren Sie:
- Was ist User Testing?
- Was ist Usability-Testing?
- Worin unterscheiden sich User Testing und Usability-Testing?
- Warum sind Usability und User Experience (UX) wichtig?
- User Testing vs. Usability-Testing: Was ist der Unterschied?
Klären wir zunächst den Unterschied zwischen User Testing und Usability-Testing, um Missverständnisse zu vermeiden.
Beim User Testing testen reale Nutzer ein Produkt oder einen Service, um zu entscheiden, ob er bereit für die Markteinführung ist. Die Nutzer führen unter realen Bedingungen konkrete Aufgaben aus, um die Funktionalität einer App, Website usw. zu bewerten.
Usability-Testing ist eine Methode, um zu prüfen, wie leicht sich ein Produkt oder Service bedienen lässt. Auch hier sind echte Nutzer beteiligt, im Fokus steht jedoch nicht die reine Funktionalität, sondern die User Experience (UX).
Diese beiden Konzepte werden in unterschiedlichen Phasen des Produktlebenszyklus eingesetzt. Ersteres kommt sehr früh zum Einsatz, um überhaupt zu prüfen, ob es einen Marktbedarf für Ihr Produkt gibt; Letzteres folgt später, um zu verifizieren, ob die Zielgruppe es effektiv nutzen kann.
Weitere Unterschiede zwischen User Testing und Usability-Testing
Nr. 1: Zweck und Ergebnis
User Testing hilft Ihnen zu entscheiden, ob Ihr Produkt oder Service reif für die Markteinführung ist. Es geht darum, Nutzerbedürfnisse zu verstehen und das Konzept zu validieren.
In dieser Phase müssen Sie das Marktumfeld verstehen, Ihre Zielgruppe bestimmen und analysieren, wie Nutzerbedürfnisse aktuell erfüllt werden.
Sind diese Faktoren geklärt, können Sie sie durch die Einbindung realer Nutzer überprüfen und adressieren.
Hier wird User Testing im Produktentwicklungsprozess entscheidend: Sie bestätigen, ob es einen Bedarf für Ihr Produkt gibt – oder eben nicht. Falls nicht, sparen Sie sich viel Geld, indem Sie die Idee verwerfen.
Usability-Tests hingegen ermöglichen es, Ihr Produkt an der User Experience zu validieren und die Produktfunktionalität so zu verbessern, dass Kundinnen und Kunden es nicht nur nutzen können, sondern die Nutzung auch genießen.
Da User Testing in der Ideation-Phase stattfindet, kommt Usability-Testing typischerweise zum Einsatz, sobald ein MVP oder Prototyp bereit ist, mit Nutzern geteilt zu werden.
Nr. 2: Testgruppe
In der Ideenphase kennen Sie Ihre Zielgruppe noch nicht genau. Sie analysieren zunächst das Marktumfeld und leiten ab, welche Nutzertypen Ihr Produkt oder Ihren Service in Anspruch nehmen könnten – entsprechend testen Sie mit einer breiteren Gruppe.
Mit zunehmendem Marktverständnis können Sie Marktsegmentierung vornehmen und User Personas definieren. Usability-Testing erfolgt dann in einer enger gefassten Gruppe, die dem Profil der Zielgruppe entspricht.
Nr. 3: Testmethoden
Da User Testing und Usability-Testing unterschiedliche Ziele verfolgen, kommen verschiedene Testmethoden zum Einsatz.
User-Testing-Methoden:
Auch wenn Ihr Produkt oder Service noch nicht fertig ist, empfiehlt es sich, Materialien bereitzustellen, die Ihrer Zielgruppe helfen, die geplante Lösung zu visualisieren.
Solche Materialien können z. B. ein Mockup, ein Rendering oder eine Demo sein.
Ziel des User Testing ist es, folgende Fragen zu beantworten:
- Wie wird das Problem derzeit gelöst?
- Gibt es eine bessere Lösung?
- Wie stehen die Nutzer zur vorgeschlagenen Lösung?
- Welche Variante (A oder B) bevorzugen die Nutzer?
- Wie viel wären Nutzer bereit, für die Lösung zu bezahlen?
Vor diesem Hintergrund gehören zu den gängigsten Methoden für User Testing:
- Marktforschung (inkl. Wettbewerbsanalyse)
- Interviews
- Fokusgruppen
- Umfragen
- A/B-Testing
User Testing kann remote oder vor Ort durchgeführt werden; wichtig ist eine ausreichend große Testgruppe. Vermeiden Sie es zudem, sich auf die Meinungen von Freunden zu konzentrieren.
Damit Ergebnisse belastbar sind, muss die Testgruppe repräsentativ sein.
Lesen Sie in unseren früheren Blogposts, wie Sie User Testing in 3 einfachen Schritten umsetzen und wie Sie Remote User Testing durchführen.
Usability-Testing-Methoden:
Die Ideation-Phase liegt hinter Ihnen. Sie haben nun ein MVP oder einen Prototyp, den Sie mit der Testgruppe teilen können, um zu untersuchen, wie Nutzer mit Ihrer App oder anderen Lösungen interagieren.
Diese Fragen helfen, maximale Erkenntnisse aus dem Usability-Testing zu gewinnen:
- Welchen Gesamteindruck macht das Produkt auf Sie?
- In welchem Maß erfüllt die Lösung Ihre Bedürfnisse?
- Sind bei der Nutzung Probleme aufgetreten?
- Welche Funktionen gefallen Ihnen am meisten/am wenigsten?
- Würden Sie dieses Produkt Ihren Freunden empfehlen?
- Welche Änderungen würden Sie am Produkt vornehmen?
Wie Sie sehen, zielen all diese Fragen darauf ab, Ihr Produkt im Hinblick auf die User Experience zu bewerten. Das erhaltene Feedback sollte genutzt werden, um Funktionen so zu verbessern, dass die Nutzung einfach und intuitiv ist. Das ist grundlegend, um die Wettbewerbsfähigkeit Ihres Produkts zu stärken.
Damit das gelingt, sollten Sie sowohl die quantitativen als auch qualitativen Aspekte des Usability-Testing betrachten. Ersterer ist zunächst wichtiger, da es darum geht, potenzielle Verbesserungsbereiche zu identifizieren.
Dennoch darf der qualitative Aspekt nicht vernachlässigt werden. Wenn Sie Ihr Produkt wettbewerbsfähiger machen möchten, definieren Sie Kennzahlen für die User Experience und vergleichen Sie diese mit Benchmarks in Ihrer Nische.
Beispiele für Usability-Metriken der User Experience sind:
- Effizienz
- Aufgabendauer
- Fehlerrate
- Nutzerzufriedenheit
Es gibt zahlreiche Usability-Testing-Methoden – alle gleichzeitig anzuwenden ist unmöglich. Wählen Sie daher die relevantesten aus, indem Sie sich auf Ihr Produkt und die Eigenschaften der Zielgruppe fokussieren.
Usability-Testing kann u. a. auf folgende Weise durchgeführt werden:
Guerilla-Usability-Testing – Nutzer werden in öffentlichen Räumen angesprochen und gebeten, einen Test gegen eine kleine Aufmerksamkeit durchzuführen; durch den Überraschungseffekt ist der Testumfang begrenzt
Lab-Usability-Testing – findet in einem speziell ausgestatteten Labor statt; Nutzer erledigen einen Aufgabenparcours unter Aufsicht eines Moderators
Contextual Inquiry – findet in der natürlichen Umgebung der Nutzer statt (z. B. am Arbeitsplatz); ein Researcher beobachtet die Interaktion mit dem Produkt und stellt Fragen, um Motive für das Verhalten zu verstehen
Telefoninterview – ermöglicht das Einholen von Feedback; der Nutzer wird telefonisch in Echtzeit durch Aufgaben geführt, was sich leichter organisieren lässt als persönliche Treffen und daher weniger zeit- und kostenintensiv ist
Remote-Usability-Testing – ermöglicht die Teilnahme aus verschiedenen Orten; Nutzer erledigen einen Aufgabensatz in vertrauter Umgebung. Der Einsatz spezieller Test-Tools ist dabei hilfreich (z. B. Lookback, Maze, Testbirds).
Wie beim User Testing kann auch Usability-Testing sowohl vor Ort als auch remote stattfinden. Wichtig ist die Einbindung der richtigen Personen (z. B. UX-Spezialisten, Product Designer etc.).
Da Zeitzonen und globale Verteilung die persönliche Teilnahme oft erschweren oder unmöglich machen, sind Remote-Methoden heute deutlich verbreiteter.
User Testing und Usability-Testing: Welche Vorteile gibt es?
User Tests
User Testing ist ideal, um Ihre Idee zu prüfen und herauszufinden, ob es dafür überhaupt einen Marktbedarf gibt.
Es ist entscheidend festzustellen, ob Ihr Konzept tragfähig ist und sich die Weiterverfolgung in die Produktentwicklung lohnt.
Anders ausgedrückt: User Tests können Sie vor einem Desaster bewahren. Lieber schnell scheitern, als langsam Ressourcen zu verbrennen.
Ein entscheidender Faktor beim User Testing ist die Kostenreduktion – die größten Einsparungen sind typischerweise in der Entwicklungsphase des Produktlebenszyklus möglich.
Sie können Ressourcen in Bezug auf Zeit, Personal und Budget begrenzen – dennoch gibt es weitere Faktoren zu berücksichtigen.
User Tests sind zudem eine hervorragende Möglichkeit, verborgene Chancen aufzudecken – basierend auf Feedback zu Zielmarkt, Funktionen, Design, Marketingkanälen usw.
Bleiben Sie offen, hören Sie genau zu und erhöhen Sie so Ihre Erfolgschancen.
Usability-Testing und User Experience
Der größte Vorteil von Usability-Testing ist die Entwicklung einer optimalen User Experience, die in langfristigem Kundenerfolg münden kann.
Warum sind Usability und User Experience so wichtig? Weil sie entscheidend dafür sind, Kunden langfristig an Ihr Produkt zu binden.
Sind Nutzer zufrieden mit Ihrem Produkt oder Service, haben sie keinen Anlass, nach Alternativen zu suchen.
Zudem tut Mundpropaganda ihr Übriges und verstärkt so den Wettbewerbsvorteil Ihres Produkts.
Vor diesem Hintergrund kann Usability-Testing die Conversion-Rate steigern und die Kundenservice-Kosten begrenzen – mit positivem Effekt auf die Profitabilität.
Führen Sie Usability-Tests früh genug durch, lassen sich potenzielle Fehler schon in der Entwicklungsphase erkennen. Das spart viel Zeit und Geld.
Indem Sie prüfen, ob das Produkt leicht zu bedienen ist, decken Sie zudem versteckte Probleme auf.
User Testing vs. Usability-Testing: Und die Nachteile?
Es besteht kein Zweifel, dass User Research den Produktentwicklungsprozess positiv beeinflusst. Dennoch ist es gut, die Nachteile zu kennen.
Zum einen kann sie sehr zeit- und kostenintensiv sein – sowohl in der Durchführung als auch bei der Datenanalyse. Sie erfordert außerdem viel Aufwand bei der Erstellung eines Research-Plans, der Einbindung der richtigen Personen und der Bereitstellung geeigneter Ausstattung.
Unter solchen Rahmenbedingungen lassen sich häufig nur wenige Teilnehmende einbinden, was bedeutet, dass der Test nie vollständig repräsentativ ist.
Außerdem hängt der Erfolg des Prozesses stark von der Bereitschaft der Nutzer zur Mitarbeit ab.
Trotzdem lohnt es sich, User Research als Teil Ihrer Produktreise zu berücksichtigen. Nicht selten sind die nötigen Aufwände gering im Vergleich zu den Folgen eines möglichen Scheiterns.
Und selbst wenn Sie Ihre Idee oder Ihren Prototyp nicht im großen Stil testen können, haben Sie – bei gezielter Auswahl der Zielgruppe – dennoch die Chance auf wertvolles Produktfeedback.
Bei Startup Development House verwandeln wir Ideen in echte Produkte. Wir führen sowohl User Testing als auch Usability-Testing durch.
Wir sind überzeugt, dass die Validierung von Konzept und Prototyp mit echten Nutzern entscheidend ist, um eine erfolgreiche Product Journey zu gestalten.
Deshalb sind wir in jeder Phase der User Research dabei – von der Vorbereitung des Research-Plans über die Nutzerrekrutierung, Moderation der Sessions, User Interviews, Datenanalyse bis zur Prototyp-Optimierung.
Sie haben eine Idee für eine App oder ein anderes digitales Produkt? Kontaktieren Sie uns und lassen Sie uns prüfen, was echte Nutzer denken.
Digital Transformation Strategy for Siemens Finance
Cloud-based platform for Siemens Financial Services in Poland


Das könnte Ihnen auch gefallen...

Was ist der Unterschied zwischen agilen Methoden und dem Wasserfallmodell?
Sind Sie noch unschlüssig, ob Sie bei Ihrem Softwareentwicklungsprojekt auf Agile oder das Wasserfallmodell setzen sollten? Als erfahrene Entwickler kennen wir dieses Gefühl nur zu gut – und noch besser verstehen wir die Frage, die viele Unternehmer stellen: „Welche Projektmanagement-Methodik ist die beste für meine Softwareentwicklungsprozesse?“ Um das herauszufinden, beginnen wir am besten ganz einfach: „Worin unterscheiden sich Agile und das Wasserfallmodell (Waterfall)?“ In vielem, wie sich zeigt. Schauen wir uns also beide Ansätze noch einmal an, damit Sie Ihre Ressourcen optimal nutzen und Ihre Projekte so reibungslos und erfolgreich wie möglich umsetzen können.
David Adamick
05. Mai 2023・7 Min. Lesezeit

Wie misst man den Erfolg einer Produkteinführung oder einer wichtigen Produktänderung?
Im datengetriebenen Zeitalter ist es entscheidend, vorausschauend zu handeln und aussagekräftige Kennzahlen für dein Produkt und größere Veränderungen festzulegen. Lass dich nicht von Vanity Metrics blenden und verlasse dich nicht auf allgemeine Messwerte. Konzentriere dich stattdessen auf die KPIs, die wirklich zählen. Tauche ein in die Welt von User Engagement und Geschäftskennzahlen und lerne, wie du sie effektiv nutzt. Ob Startup oder etabliertes Unternehmen: Wer datengetriebene Entscheidungen trifft, stellt die Weichen für Erfolg. Dieser Leitfaden gibt dir das nötige Rüstzeug, fundierte Entscheidungen zu treffen und dein Produkt voranzubringen. Mach dich bereit, das Potenzial sinnvoller Metriken zu heben und dein Business auf das nächste Level zu bringen!
Piotr Janecki
15. Apr. 2020・6 Min. Lesezeit

Wie man Early Adopters nutzt, um ein besseres Produkt zu entwickeln
Early Adopters sind Schlüsselfiguren im Product-Discovery-Prozess und liefern wertvolle Einblicke und Feedback, die die Entwicklung deines Produkts maßgeblich beeinflussen können. Indem du Early Adopters identifizierst und einbindest, validierst du Annahmen, schärfst deine Value Proposition und entwickelst ein besseres Produkt. Entdecke effektive Strategien, um Early Adopters zu finden, Remote-User-Tests durchzuführen und ihre Expertise zu nutzen, um dir einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
Marta Przyłęcka
23. Feb. 2021・3 Min. Lesezeit
Bereit, Ihr Know-how mit KI zu zentralisieren?
Beginnen Sie ein neues Kapitel im Wissensmanagement – wo der KI-Assistent zum zentralen Pfeiler Ihrer digitalen Support-Erfahrung wird.
Kostenlose Beratung buchenArbeiten Sie mit einem Team, dem erstklassige Unternehmen vertrauen.




